Die Meilensteine
Von der Vereinsgründung bis zum 45-jährigen Jubiläum
Was 1963 mit acht engagierten Ornithologen begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem wertvollen Natur- und Begegnungsraum in der Birka.
Die Gründung im Jahr 1963
Am 6. Dezember 1963 trafen sich Walter Schreiber, Adolf Marxer, Beat Marxer, Willi Meier, Andi Marxer, Gerhard Kieber, Anton Good und Josef Haas im Café Freiendorf in Mauren. Noch am selben Tag wurde der Ornithologische Verein Mauren aus der Taufe gehoben. Walter Schreiber wurde zum ersten Vereinspräsidenten gewählt.
Zweck und Ziel des Vereins
Der OVM fördert die Vogelkunde, den Schutz und die Pflege frei lebender und betreuter Vögel sowie die Kaninchen-, Tauben- und Geflügelzucht. Zugleich setzt er sich für die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Naturschutzgebiete und einen umfassenden Umweltschutz auf ökologischer Basis ein.


Ein aktiver Verein
Schon kurz nach der Gründung wurden Ausstellungen und Exkursionen durchgeführt. Züchter und Vogelschützer bildeten sich bei Kursen und Vorträgen weiter; zudem entstand ein Futterdepot.
Als Vereinshaus diente zunächst das Jünglingshaus am Weiherring, danach ein Stall beim Restaurant Hirschen. 1972 stellte die Gemeinde Kellerräume im Kindergarten Wegacker zur Verfügung. Sie wurden bis zum endgültigen Umzug in die Birka im Juni 1984 genutzt.

Lange Verhandlungen bis zur festen Heimat
Im Juli 1971 besichtigte die Vereinsführung erstmals den «Käferzipfel». Der frühere Ablageplatz für Maikäfer und verendete Tiere war zu klein. Das Interesse galt deshalb zwei nordöstlich gelegenen Privatgrundstücken.
Nach langen Verhandlungen konnten Eduard Kieber und Edwin Meier zum Verkauf an die Gemeinde Mauren bewegt werden. Der Gemeinderat übertrug dem OVM die Hege und Pflege des Gebiets. Über 200 Stunden Fronarbeit waren nötig, um das zeitweise als Mülldeponie genutzte Grundstück von Unrat zu befreien.

Naturschutzarbeit
Spuren des OVM in der Maurer Rietlandschaft
Im Naturschutzjahr 1970 berieten Verein und Gemeinde erstmals über konkrete Schritte für den letzten Rest des ursprünglichen Maurer Riets.

Angefangen hat alles mit dem «Käferzipfel»
Das Gebiet mit Birken, Weiden und Wassertümpeln aus alten Torfstichen war zugleich Ablageplatz für Maikäfer, Tierkadaver, Haushaltsgeräte und Unrat. Bis Ende der 1940er-Jahre mussten Haushalte gesammelte Maikäfer abliefern; beim Käferzipfel wurden sie in heissem Wasser getötet und vergraben.
Unter Vorsteher Egon Meier, Forstmeister Eugen Bühler und Mitgliedern des OVM begann der Wandel. Das Ziel lautete: naturnahe Landschaften erhalten, neue Feuchtbiotope schaffen und der Bevölkerung Naherholungsraum bieten.
Erster Weiherbau in der Birka
Auf Initiative des Vereinsmitglieds Adolf Marxer erhielt der OVM am 1. Juli 1981 von der Brünette-Stiftung die Zusage von 18’000 Franken für einen künstlichen Weiher. Mit Unterstützung von Land und Gemeinde entstanden im Februar 1982 rund 3’800 Kubikmeter Aushub und mehr als 1’300 Quadratmeter Wasserfläche.
Ab diesem Jahr wurde dem OVM die Betreuung aller bestehenden und künftigen Naturschutzgebiete und Reservate übertragen.


Lehrreicher Rundgang
Für Besucher aus nah und fern wurden Hinweistafeln aufgestellt, die Pflanzen und Tiere beschreiben. Eine umfangreiche Stopfpräparate-Sammlung im Vereinsgebäude zeigt Tiere aus der näheren Umgebung und dient als Bestimmungshilfe für Naturbeobachter jeden Alters.
«Es geht darum, unserer Jugend vor Augen zu halten, dass es nicht nur die Technik und ihre Errungenschaften zu bewundern gilt, sondern auch die Natur und ihre Geschöpfe.»Prof. Dr. H. Hediger bei der Besichtigung des Reservates Birka, Juni 1983 · «Ehrfurcht vor dem Leben»

Erfolge wurden hörbar
Der Laubfrosch kehrte zurück. Auch Nachtreiher, Zwergtaucher, Teichhuhn und Eisvogel konnten beobachtet werden.

Wertvolle Pflanzenwelt
Schwertlilien, Wildobstbäume, seltene Pflanzen und Pilze fanden geeignete Lebensräume.

Schutz für den Nachwuchs
Gebüsche, Feuchtflächen und Pflegezonen schaffen Rückzugs- und Brutplätze.
Wisanels und Schwertlilienfeld
Im Wisanels wurde der letzte Teil der zugefüllten Torfstiche vor intensiver Landwirtschaft bewahrt und renaturiert. Ein Grundwasserweiher schuf ein neues Feuchtbiotop. Weiden, Schneeball, Hasel, Weissdorn, Holunder und Schwarzdorn bieten Schutz und Brutplätze.
Auch das letzte Schwertlilienfeld im Schmelzhof blieb erhalten. Ein Pufferstreifen und gezielte Pflege halfen, den Bestand im Riet zu vermehren.


Grundwasserteich im Undermahd
Westlich des Sportzentrums wurde ein weiteres naturnahes Gebiet erhalten und erweitert. Wo früher Torf gestochen wurde und die Rheinflut von 1927 Torfhütten fortspülte, entstand nach Verhandlungen mit Eigentümern und Gemeinde ein Grundwasserteich.
Seither finden Amphibien vom Jodaböhel bis zum Sportzentrum wieder dringend benötigte Laichmöglichkeiten.
Jagdfreies Maurer Riet
Auf rund 100 Hektaren Rietfläche wird seit Jahren nicht mehr gejagt. Wasservögel, Hasen und Rehe finden Ruhe; zugleich hat keine Tierart eine andere verdrängt. Wanderer erleben, dass die Tiere zutraulicher geworden sind.
Beobachten heisst auch Veränderungen erkennen
Regelmässige Beobachtungsgänge dokumentieren jedoch ebenso Verluste: Feldlerchen und andere Bodenbrüter verschwanden, auch Greifvögel nahmen deutlich ab. Die sichtbare Zahl einzelner Arten darf nicht darüber hinwegtäuschen.


Jährliche Schwalbennester-Aktionen
Der Erhalt von Schwalben und Mauerseglern im Dorf und im Riet ist dem OVM ein besonderes Anliegen. Jährliche Kontrollen schaffen eine verlässliche Statistik. Moderne glatte Fassaden sowie fehlende Pfützen und Lehmstellen erschweren besonders Mehlschwalben den Nestbau.
Mit Unterstützung der Feuerwehr errichtete der OVM in einem dokumentierten Aktionsjahr 110 Nisthilfen. 69 davon wurden belegt – ein Bruterfolg von 62 Prozent. Diese Arbeit wird auch in Zukunft weitergeführt.

Der OVM heute
Engagement, das bleibt.
Aus einer Vereinsgründung im Café Freiendorf entstand über Jahrzehnte ein lebendiger Ort für Natur, Tiere und Menschen. Pflegeeinsätze, Beobachtungen, Nisthilfen und Wissensvermittlung führen diese Geschichte bis heute fort.
Quelle der historischen Inhalte: Jubiläumsbroschüre «45 Jahre Ornithologischer Verein Mauren», Hanno Meier.